Ein verklebter Schweif, braune Flüssigkeit an den Hinterbeinen, gereizte Haut und trotzdem liegen ganz normale Pferdeäpfel in der Box.
Kotwasser gehört zu den Problemen, die Pferdehalter über Monate oder sogar Jahre beschäftigen können. Entsprechend groß ist das Angebot an Darmkuren, Kräutern, Hefen und speziellen Ergänzungsfuttermitteln.
Doch bevor wir überlegen, was wir dem Pferd zusätzlich füttern können, sollten wir eine andere Frage stellen:
Wann tritt das Kotwasser auf und was verändert sich zu diesem Zeitpunkt im Leben, in der Haltung oder in der Fütterung des Pferdes?
Denn genau hier liegen häufig die entscheidenden Hinweise. Die wissenschaftliche Forschung beschäftigt sich inzwischen intensiver mit dem sogenannten Free Fecal Water Syndrome. Trotzdem gibt es bis heute nicht die eine nachgewiesene Ursache – und deshalb auch nicht die eine Therapie, die bei jedem Pferd funktioniert.
Was ist Kotwasser überhaupt?
Kotwasser wird wissenschaftlich unter anderem als Free Fecal Water Syndrome (FFWS) oder Free Faecal Liquid (FFL) bezeichnet.
Typisch ist ein zweiphasiger Kotabsatz: Das Pferd setzt weiterhin normal geformte Pferdeäpfel ab. Zusätzlich tritt eine bräunliche Flüssigkeit aus dem After aus. Vor, während oder nach dem Kotabsatz, teilweise auch unabhängig davon. Das unterscheidet Kotwasser deutlich von echtem Durchfall.
Kotwasser oder Durchfall?
Beim Kotwasser bleiben die eigentlichen Kotballen geformt.
Beim Durchfall ist dagegen auch der Kot selbst breiig bis wässrig verändert.
Diese Unterscheidung ist wichtig. Insbesondere akuter Durchfall in Verbindung mit Fieber, Koliksymptomen, Mattigkeit, vermindertem Appetit, Austrocknung oder einer Beteiligung mehrerer Pferde gehört umgehend tierärztlich abgeklärt.
Auch Kotwasser kann allerdings erhebliche Probleme verursachen: Die ständig feuchte Haut kann wund werden, die Haut entzündet sich und gerade im Winter wird die Pflege ausgesprochen schwierig.
Warum bekommt ein Pferd Kotwasser?
Die wissenschaftlich korrekte Antwort lautet derzeit:
Wir wissen es noch nicht vollständig.
Verschiedene Untersuchungen weisen auf Zusammenhänge mit Fütterung, Raufutter, Futterumstellungen, Haltung, Stress und möglicherweise Magenerkrankungen hin. Keiner dieser Faktoren erklärt jedoch bisher sämtliche Fälle.
Deshalb halte ich es für sinnvoller, Kotwasser nicht als einzelne Erkrankung mit einer einzelnen Ursache zu betrachten, sondern zunächst nach wiederkehrenden Mustern zu suchen.
Der erste wichtige Schritt: Wann tritt das Kotwasser auf?
Dieser Punkt wird meiner Meinung nach viel zu selten berücksichtigt.
Bevor etwas an der Fütterung verändert wird, lohnt sich ein Blick zurück:
- Tritt das Kotwasser ganzjährig auf?
- Nur im Winter?
- Beim Anweiden?
- Beim Abweiden?
- Nach einem Heuwechsel?
- Bei einer neuen Heucharge?
- Gleichzeitig mit dem Fellwechsel?
- Nach Stall- oder Gruppenwechseln?
- Bei Turnieren oder Transporten?
- In besonders stressigen Situationen?
Gerade bei Pferden, die saisonal immer wieder Kotwasser entwickeln, kann ein einfaches Tagebuch ausgesprochen aufschlussreich sein.
Datum, Fütterung, Raufutter, Weidegang, Haltung, besondere Ereignisse und Stärke des Kotwassers reichen zunächst völlig aus.
Denn ein Symptom, das jedes Jahr zur gleichen Zeit erscheint, liefert uns eine ganz andere Information als ein plötzlich erstmals auftretendes Kotwasser.
Gras, Heu und Futterumstellungen: ein wichtiger Punkt
Der Wechsel vom Winter auf die Weide und später wieder von Gras auf überwiegend Heu bedeutet eine deutliche Veränderung für das Pferd. Frisches Gras und Heu unterscheiden sich unter anderem in Wassergehalt, Pflanzenstruktur und Nährstoffzusammensetzung. Und auch das Darmmikrobiom reagiert auf solche Veränderungen.
Experimentelle Untersuchungen an Pferden und Ponys zeigen, dass ein abrupter Wechsel zwischen Gras und Heu die Zusammensetzung der fäkalen mikrobiellen Gemeinschaft verändert. Das bedeutet nicht, dass diese Veränderungen automatisch Kotwasser verursachen. Es zeigt aber, dass ein Wechsel von Gras auf Heu oder umgekehrt für das Verdauungssystem eine reale Anpassung darstellt.
Interessanterweise wurde auch in einer 2025 veröffentlichten Untersuchung von Pferden mit chronischem Kotwasser eine Tendenz zum vermehrten Auftreten im Zusammenhang mit Weideauftrieb und Futterumstellungen beobachtet.
Was bedeutet das praktisch?
Wenn ein Pferd jedes Frühjahr beim Anweiden oder jeden Herbst beim Wechsel auf die Winterfütterung Kotwasser entwickelt, würde ich diesen Zusammenhang ernst nehmen.
Dann ist eine langsame Futterumstellung besonders wichtig.
Bei manchen Pferden kann es außerdem sinnvoll sein, gemeinsam mit einer qualifizierten Fütterungsberatung zu überlegen, ob die Übergänge zwischen Gras und Heu weniger abrupt gestaltet werden können. Je nach Pferd und Gesamtration können beispielsweise getrocknete Graspellets eine Möglichkeit sein, Komponenten aus Grünfutter auch außerhalb der Weidesaison in die Ration einzubeziehen
Das ist allerdings keine wissenschaftlich belegte Therapie gegen Kotwasser, sondern eine individuelle Managementstrategie, deren Nutzen beim jeweiligen Pferd beobachtet werden muss.
Und was ist mit dem Fellwechsel?
Viele Pferdehalter beobachten Verdauungsveränderungen im Frühjahr und Herbst genau in den Phasen, in denen gleichzeitig Fellwechsel, Wetterumschwünge und Änderungen der Fütterung stattfinden. Eine direkte wissenschaftliche Evidenz dafür, dass der Fellwechsel selbst Free Fecal Water verursacht, gibt es derzeit nicht. Trotzdem sollte man ihn bei einem saisonalen Verlauf dokumentieren.
Denn häufig verändern sich mehrere Dinge gleichzeitig:
Das Pferd wechselt sein Haarkleid, das Wetter schwankt, die Weidezeit verändert sich, das Gras wächst oder ist nicht mehr ausreichend verfügbar, eine neue Heucharge wird geöffnet und möglicherweise ändern sich auch Haltung und Bewegungsumfang. Deshalb ist es nicht entscheidend, sofort einen einzelnen Schuldigen zu benennen.
Entscheidend ist herauszufinden:
Welches Muster zeigt genau dieses Pferd?
Die komplette Fütterung überprüfen
Bei einem Pferd mit Kotwasser würde ich deshalb zunächst nicht fragen:
„Welches Pulver soll ich zufüttern?“
Sondern:
„Was bekommt dieses Pferd insgesamt?“
Dazu gehören:
- Raufuttermenge
- Raufutterqualität
- Heu, Heulage und Weide
- Kraftfutter
- Stärke- und Zuckerzufuhr
- Müsli und Mash
- Mineralfutter
- Öle
- sämtliche Ergänzungsfuttermittel
- Leckerlis
- Fresspausen
- Änderungen der Ration
Eine Fall-Kontroll-Studie von Lindroth und Kollegen zeigte Unterschiede in der Fütterung von Pferden mit und ohne Kotwasser: Die mit Kotwasser betroffenen Pferde nahmen im Durchschnitt mehr Kraftfutter, Stärke und wasserlösliche Kohlenhydrate auf und gleichzeitig weniger Faser.
Daraus lässt sich allerdings nicht ableiten, dass beispielsweise Stärke automatisch Kotwasser verursacht. Die Ergebnisse zeigen vielmehr, dass es sich lohnt, bei betroffenen Pferden die gesamte Ration genauer anzuschauen: Wie viel Kraftfutter bekommt das Pferd tatsächlich? Wie hoch ist die Stärke- und Zuckerzufuhr? Bekommt es ausreichend strukturreiches Raufutter? Und sind die eingesetzten Futtermittel für seinen tatsächlichen Energie- und Nährstoffbedarf überhaupt notwendig?
Statt einzelne Futtermittel vorschnell als Ursache auszumachen, sollte deshalb immer die gesamte Fütterungssituation des Pferdes betrachtet werden.
Raufutter genauer ansehen
Auch die Art und Qualität des Raufutters scheint bei einzelnen Pferden eine Rolle zu spielen.
In einer großen Befragung von 339 Pferden mit Free Faecal Liquid berichteten Besitzer häufig von Veränderungen der Symptome nach einem Raufutterwechsel. Bei einigen Pferden besserte sich das Kotwasser nach einem Wechsel von Heulage auf Heu. Auch der Wechsel auf Weidegras oder zu einer anderen Raufuttercharge führte bei einem Teil der Pferde zu einer Verbesserung.
Das bedeutet ausdrücklich nicht:
Heulage verursacht Kotwasser.
Vielmehr scheint das individuelle Pferd auf bestimmte Raufutterarten oder Chargen unterschiedlich reagieren zu können. Ein Wechsel von Heulage zu Heu ist jedoch empfehlenswert.
Deshalb lohnt es sich, neben der Analyse der Ration auch Qualität, Hygiene und gegebenenfalls die Charge des Raufutters zu dokumentieren.
Haltung, Rangordnung und Stress
Auch die Haltung und möglicher sozialer Stress sollten bei der Suche nach den Auslösern von Kotwasser berücksichtigt werden. In einer deutschen Feldstudie von Kienzle und Kollegen zeigte sich ein auffälliger Unterschied zwischen Pferden mit und ohne Kotwasser:
40 Prozent der Pferde mit Kotwasser gehörten zu den rangniedrigsten Tieren ihrer Gruppe. Bei den gesunden Vergleichspferden ohne Kotwasser waren es dagegen nur 4 Prozent.
Die Studie zeigt einen deutlichen Zusammenhang zwischen einer niedrigen Position in der Rangordnung und dem Auftreten von Kotwasser.
Sie beweist allerdings nicht, dass eine niedrige Rangposition oder sozialer Stress tatsächlich die Ursache des Kotwassers ist.
Für die Praxis ist dieser Hinweis trotzdem interessant. Gerade bei betroffenen Pferden lohnt es sich deshalb, die Situation in der Gruppe einmal ganz bewusst zu beobachten:
Kann das Pferd ungestört fressen?
Gibt es ausreichend Fressplätze?
Wird es häufig vom Heu vertrieben?
Kann es anderen Pferden ausweichen?
Gibt es einen ruhigen Liege- und Rückzugsbereich?
Hat sich die Herdenzusammensetzung verändert?
Und verschlechtert sich das Kotwasser möglicherweise genau in Phasen mit erhöhtem sozialem Stress?
Der Magen: bei chronischem Kotwasser nicht vergessen
Dieser Punkt ist besonders interessant.
Eine 2025 an der Freien Universität Berlin veröffentlichte Dissertation untersuchte 32 Pferde mit chronischem Kotwasser klinisch sehr umfangreich. Unter anderem wurden Blutuntersuchungen, Gastroskopien, Ultraschalluntersuchungen des Dickdarms, abdominale Röntgenaufnahmen sowie parasitologische Kotuntersuchungen durchgeführt.
Bei 56,3 Prozent der untersuchten Pferde wurden gastroskopisch Veränderungen der Magenschleimhaut festgestellt.
Nach einer individuell auf die Befunde des jeweiligen Pferdes abgestimmten Therapie nahm sowohl die Häufigkeit als auch die Ausprägung des Kotwassers signifikant ab.
Das ist ein klinisch ausgesprochen interessanter Hinweis.
Die Untersuchung beweist nicht, dass Magengeschwüre grundsätzlich die Ursache von Kotwasser sind.
Es gab keine gesunde Kontrollgruppe für diesen Teil der Untersuchung und die Therapie bestand abhängig vom jeweiligen Befund aus unterschiedlichen Maßnahmen.
Die Ergebnisse sprechen aber dafür, die Magengesundheit bei chronischem Kotwasser nicht zu übersehen.
Besonders relevant wird eine Gastroskopie, wenn zusätzlich Symptome auftreten wie:
- wiederkehrende Koliken
- verminderter Appetit
- Gewichtsverlust
- Leistungseinbruch
- Gähnen
- Gurtzwang
- auffällige Rittigkeit
- stumpfes Fell
In genau solchen Fällen empfiehlt sich eine gastroskopische Abklärung.
Ist Kotwasser automatisch eine gestörte Darmflora?
Nein, zumindest können wir das nach aktuellem Forschungsstand nicht behaupten.
Mehrere Untersuchungen verglichen die Zusammensetzung der Darmbakterien von Pferden mit und ohne Kotwasser. Dabei ließ sich bislang keine charakteristische Veränderung der Darmflora nachweisen, die Pferde mit Kotwasser eindeutig von gesunden Vergleichspferden unterscheidet.
Das bedeutet nicht, dass das Darmmikrobiom bei der Entstehung von Kotwasser keine Rolle spielen kann. Es bedeutet aber, dass Kotwasser nicht automatisch mit einer gestörten oder kaputten Darmflora gleichzusetzen ist.
Das halte ich für einen wichtigen Punkt. Denn genau aus dieser Annahme entsteht häufig der nächste Schritt:
„Dann müssen wir die Darmflora aufbauen.“
Und plötzlich bekommt das Pferd Hefe, Präbiotika, Probiotika, Kräuter und verschiedene Darmprodukte gleichzeitig, obwohl noch gar nicht geklärt wurde, warum das Pferd überhaupt Kotwasser entwickelt.
Deshalb ist es sinnvoller, zunächst nach möglichen Zusammenhängen und Auslösern beim einzelnen Pferd zu suchen und erst danach zu entscheiden, ob und welche Unterstützung über die Fütterung tatsächlich sinnvoll ist.
Was ist mit Zähnen und Parasiten?
Zahnkontrollen und ein sinnvolles Parasitenmanagement gehören selbstverständlich zur Pferdegesundheit. Sie sollten aber nicht automatisch zur Erklärung jedes Kotwasserfalls gemacht werden.
In Untersuchungen fand sich bislang kein überzeugender Zusammenhang zwischen Kotwasser und einer höheren Parasitenbelastung. Auch Zahnprobleme konnten bisher nicht als generelle Ursache bestätigt werden.
Das bedeutet nicht, dass Zähne und Parasiten bei der Abklärung von Kotwasser ignoriert werden sollten. Werden hier tatsächlich Probleme festgestellt, sollten diese selbstverständlich behandelt werden. Bleibt das Kotwasser trotzdem bestehen, sollte die Suche nach möglichen Ursachen und Auslösern weitergehen, statt davon auszugehen, die Erklärung bereits gefunden zu haben.
Was kann ich konkret tun?
Bei chronischem oder wiederkehrendem Kotwasser würde ich strukturiert vorgehen.
1. Ein Muster suchen
Mindestens einige Wochen dokumentieren:
Fütterung, Raufuttercharge, Weide, Wetterwechsel, Fellwechsel, Haltung, Stresssituationen und Ausprägung des Kotwassers.
2. Die gesamte Ration erfassen
Nicht nur das Kraftfutter.
Wirklich alles.
3. Raufutter beurteilen
Qualität, Menge, hygienischer Zustand und Chargenwechsel berücksichtigen.
4. Futterwechsel langsam gestalten
Besonders beim An- und Abweiden.
Abrupte Veränderungen der Ration können das mikrobielle Ökosystem des Darms messbar verändern.
5. Stärke und Kraftfutter überprüfen
Nicht pauschal verbieten, sondern berechnen und hinterfragen, welche Mengen tatsächlich notwendig sind.
6. Haltung beobachten
Kann das Pferd entspannt fressen, ruhen und Sozialkontakte pflegen? Hat das Pferd Stress in seiner Herde? Ist es rangniedrig?
7. Magengesundheit berücksichtigen
Vor allem bei chronischem Kotwasser plus typischen Magensymptomen sollte der Tierarzt zu Rate gezogen werden und ggf. eine Gastroskopie durchgeführt werden.
8. Anpassungen einzeln durchführen
Das ist unglaublich wichtig.
Wenn gleichzeitig Heu, Kraftfutter, Haltung und fünf Ergänzungsfuttermittel verändert werden, lässt sich hinterher nicht beurteilen, welche Maßnahme überhaupt einen Effekt hatte.
Welche Ergänzungsfuttermittel helfen gegen Kotwasser?
Für viele klassische „Kotwasserprodukte“ fehlt bislang ein belastbarer Wirksamkeitsnachweis speziell für freies Kotwasser.
Das bedeutet nicht, dass ein einzelnes Pferd nicht von einer gezielten Ergänzung profitieren kann. Eine Unterstützung kann durchaus sinnvoll sein. Die Auswahl sollte sich jedoch aus der gesamten Fütterung, möglichen Untersuchungsergebnissen und der individuellen Situation des Pferdes ergeben – und nicht allein aus dem Symptom Kotwasser.
Auch Flohsamenschalen werden bei Kotwasser häufig empfohlen, besonders wenn eine erhöhte Sandaufnahme vermutet wird. Die Studienlage zur Sandausscheidung durch Psyllium allein ist allerdings uneinheitlich. In Untersuchungen konnte eine alleinige Gabe von Flohsamenschalen die Ausscheidung von Sand nicht zuverlässig erhöhen. Deutlichere Effekte wurden insbesondere bei der therapeutischen Kombination von Psyllium mit Magnesiumsulfat unter tierärztlicher Behandlung beschrieben.
Flohsamenschalen sind deshalb keine wissenschaftlich belegte Standardtherapie gegen Kotwasser. Bei einem tatsächlich relevanten Sandbefund können sie Bestandteil einer gezielten Behandlung sein – ob und in welcher Form sie sinnvoll sind, sollte sich jedoch nach dem Befund des einzelnen Pferdes richten.
Auch die häufige Annahme, Kotwasser sei grundsätzlich Ausdruck einer „gestörten Darmflora“, lässt sich nach aktuellem Forschungsstand so nicht bestätigen. Untersuchungen konnten bei Pferden mit freiem Kotwasser bislang keine charakteristische Veränderung der Darmflora nachweisen, die sie eindeutig von gesunden Vergleichspferden unterscheidet.
Damit lässt sich der routinemäßige Einsatz von Probiotika oder anderen Produkten zum Aufbau der Darmflora allein mit der Annahme, Kotwasser müsse auf einer gestörten Darmflora beruhen, derzeit wissenschaftlich nicht begründen.
Bestimmte Faserquellen oder Veränderungen des Raufutters können bei einzelnen Pferden einen Unterschied machen. Als mögliche Fütterungsstrategie werden beispielsweise getrocknete Grasprodukte oder Esparsette genannt, insbesondere während des Übergangs von Weide- auf Stallfütterung. Dabei handelt es sich jedoch um eine Praxisempfehlung und nicht um eine wissenschaftlich belegte Therapie gegen Kotwasser. Entscheidend ist deshalb auch hier, ob die Maßnahme zur Gesamtration und zum jeweiligen Pferd passt und ob sich das Kotwasser darunter tatsächlich verändert.
Deshalb würde ich bei Kotwasser nicht möglichst viele sogenannte Darmprodukte miteinander kombinieren. Sinnvoller ist es, Veränderungen gezielt und möglichst einzeln vorzunehmen und anschließend zu beobachten, ob sich das Kotwasser tatsächlich verbessert.
So lässt sich wesentlich besser beurteilen, welcher Faktor dem einzelnen Pferd hilft – und welcher keinen erkennbaren Einfluss hat.
Wann zum Tierarzt?
Tierärztliche Abklärung ist insbesondere wichtig bei:
- echtem Durchfall
- Kolik
- Fieber
- Appetitverlust
- Gewichtsverlust
- deutlichem Leistungseinbruch
- Mattigkeit
- Blut im Kot
- wiederkehrenden gastrointestinalen Beschwerden
- plötzlich neu aufgetretenem oder deutlich zunehmendem Kotwasser
Auch bei lange bestehendem Kotwasser kann eine strukturierte Untersuchung sinnvoll sein – insbesondere dann, wenn Management- und Fütterungsanpassungen keinen nachhaltigen Erfolg bringen.
Fazit: Beobachten, verstehen, dann gezielt verändern
Kotwasser ist kein Problem, bei dem wir heute seriös sagen können:
„Das ist die Ursache und das ist die Therapie.“
Aber wir können sehr wohl systematisch vorgehen.
Fütterung, Raufutter, Futterumstellungen, Weidewechsel, Haltung, Stress und möglicherweise auch die Magengesundheit können wichtige Hinweise liefern.
Besonders wertvoll ist dabei der zeitliche Verlauf.
Tritt Kotwasser immer beim Anweiden auf?
Beim Wechsel von Gras auf Heu?
Im Herbst?
Im Fellwechsel?
Bei einer bestimmten Heucharge?
Nach Gruppenwechseln?
Oder unabhängig davon das ganze Jahr?
Je genauer wir diese Fragen beantworten können, desto weniger müssen wir ausprobieren.
Und desto gezielter können wir das einzelne Pferd unterstützen.
Verstehen. Gezielt unterstützen.
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