Ein Sehnenschaden beim Pferd gehört zu den Diagnosen, die viele Besitzer zunächst verunsichern. Die folgenden Wochen sind geprägt von kontrollierter Bewegung, Geduld und einem sehr vorsichtigen Trainingsaufbau. Umso frustrierender ist es, wenn das Pferd scheinbar wieder belastbar ist und der Schaden unter steigender Belastung erneut auftritt.
Genau dieses Muster zeigt sich in der Praxis erstaunlich häufig: Verletzung → scheinbare Heilung → Rückfall. Doch warum passiert das so oft? Und was braucht es wirklich, damit Sehnengewebe langfristig stabil bleibt?
Warum heilen Sehnen beim Pferd so langsam?
Sehnen bestehen sind im Vergleich zur Muskulatur deutlich schlechter durchblutet. Das hat eine entscheidende Konsequenz: Regeneration benötigt Zeit – und vor allem gezielte, kontrollierte Belastung.
Nach einer Verletzung wird das geschädigte Gewebe zunächst durch sogenanntes Narbengewebe ersetzt. Dieses ist weniger elastisch, weniger belastbar und strukturell ungeordnet. Erst durch kontrollierte Bewegung beginnen sich die Fasern wieder entlang der Zugrichtung auszurichten. Dieser Prozess dauert viele Monate. Wird die Sehne in dieser Phase zu früh oder zu stark belastet, steigt das Risiko eines erneuten Schadens enorm.
Der ganzheitliche Ansatz:
Ein nachhaltiger Aufbau gelingt nur, wenn wir das Pferd als Gesamtsystem betrachten. Hier müssen alle Maßnahmen Hand in Hand arbeiten:
1. Der Tierarzt: Das Fundament der Diagnose
Ohne eine saubere tierärztliche Diagnostik arbeiten wir im Blindflug. Der Tierarzt ist der erste Ansprechpartner für die Akutversorgung und die bildgebende Verlaufskontrolle. Regelmäßige Ultraschalluntersuchungen sind unerlässlich, um objektiv zu beurteilen, wie weit die Faserstruktur bereits regeneriert ist, bevor die Belastung im Training gesteigert wird.
2. Die Hufbearbeitung: Statik korrigieren
Die Belastung der Sehnen beginnt am Fundament. Eine unausbalancierte Hufbearbeitung verändert die Hebelkräfte und sorgt für permanenten mechanischen Stress auf dem Sehnenapparat. Ein korrekter Beschlag oder eine fachgerechte Barhufbearbeitung ist die Grundvoraussetzung für Entlastung.
3. Manuelle Therapie: Den Körper unterstützen
Ein Sehnenschaden zieht sich durch den gesamten Bewegungsapparat. Als Therapeutin achte ich hier auf drei essenzielle Säulen:
- Lösen von Gelenkblockaden: Durch die oft monatelange Entlastung und Schonhaltung können Gelenke blockieren. Vom Hufgelenk über das Karpalgelenk bis hin zu Schulter, Becken und Wirbelsäule. Wenn die Gelenke nicht frei arbeiten, kann das Pferd nicht physiologisch fußen, was zu massiven Scherkräften auf der verletzten Sehne führt.
- Fasziale Freiheit: Faszien durchziehen den ganzen Körper wie ein Netz. Bei einem Sehnenschaden entstehen massive Verklebungen in den Faszienketten. Diese Spannung überträgt sich auf den ganzen Körper und somit auch auf die Sehnenstruktur. Nur wenn wir diese Spannungsketten lösen, kann die Sehne sich frei bewegen.
- Muskuläre Dysbalancen: Schonhaltungen führen zu einer Verkürzung der Muskulatur auf der einen und einer Überlastung auf der anderen Seite. Wir müssen die Muskulatur wieder in ihre volle Funktion bringen, damit sie ihre dämpfende Aufgabe für die Sehnen wieder wahrnehmen kann.
4. Gezieltes Aufbautraining
Sobald das Pferd therapeutisch behandelt wurde, beginnt die aktive Phase. Hier ist die Zusammenarbeit mit Trainern Gold wert. Es geht nicht um bloßes Bewegen, sondern um echte Gymnastizierung:
Stärkung der Tiefenmuskulatur: Die oberflächliche Bewegungsmuskulatur kann die Sehnen nicht schützen. Wir brauchen eine aktive Tiefenmuskulatur die das Pferd stabilisiert.
Raus aus der Schonhaltung: Dein Pferd hat sich durch die Kompensation während der Verletzung eine Schonhaltung angeeignet, so bewegt es sich auch nach der Heilung weiter. Ein guter Trainer hilft dabei, diese alten Bewegungsmuster zu überschreiben, damit die Sehne dauerhaft entlastet wird.
5. Ernährungsphysiologische Unterstützung:
In Phasen erhöhter Belastung oder im Rahmen der Regeneration kann eine gezielte Nährstoffversorgung den Organismus ernährungsphysiologisch unterstützen. Spezifische Bausteine wie zum Beispiel Kollagen, MSM, Vitamin C (als wichtiger Katalysator) sowie Glucosamin und Chondroitin sind hier sehr wertvoll.
Wichtig ist dabei eine durchdachte Kombination aus Bausteinen, die für den Aufbau von Bindegewebe und die Funktion des Bewegungsapparates relevant sind in einer ausreichenden Dosierung.
Ein wichtiger Aspekt, der oft vergessen wird: Eine geschädigte oder schwache Sehne macht das angrenzende Gelenk anfällig. Die Sehne ist ein Stabilisator des Gelenks , fällt diese Stabilität weg, entstehen Mikrotraumata im Gelenk und im Knorpel. Deshalb ist eine kombinierte Unterstützung für Sehnen und Gelenke in dieser Phase notwendig.
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Genau hier setzt meine Philosophie an, den Körper als ganzes zu betrachten. In der Therapie und auch in der Nährstoffversorgung. Anstatt einer dauerhaften Niedrigdosierung setzen wir auf eine gezielte, hochkonzentrierte Unterstützung, die dem Körper exakt das liefert, was er benötigt und das in der Phase, in der er es benötigt, nicht dauerhaft. Füllstoffe findest du nicht bei uns.
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FAQ: Häufige Fragen zum Sehnenschaden beim Pferd
Wie lange dauert die Heilung eines Sehnenschadens beim Pferd?
Eine erste Narbenbildung dauert ca. 6–8 Wochen, aber die vollständige Remodellierung und Belastbarkeit des Gewebes kann bis zu 12 Monate in Anspruch nehmen.
Darf ein Pferd mit Sehnenschaden auf die Weide?
Das hängt von der Schwere des Schadens ab. Unkontrollierte Bewegungen (Sprints, Stops) sollten in der akuten Phase vermieden werden. Kontrollierte Bewegung auf ebenem, festem Boden ist meist förderlicher.
Was füttern bei Sehnenschaden Pferd?
Ideal ist eine Kombination aus Kollagen (Hauptbestandteil der Sehnen), MSM, Vitamin C, um die Gewebequalität von innen heraus zu unterstützen. Achte auf hohe Qualität ohne Füllstoffe.
Warum ist die ernährungsphysiologische Gelenkunterstützung bei Sehnenschäden wichtig?
Weil Sehnen das Gelenk führen und stabilisieren. Ist die Sehne geschwächt, verliert das Gelenk seinen Schutz, was zu vorzeitigem Verschleiß führen kann.